In einem früheren Post hab ich geschrieben, dass Nutzerfeedback für uns wichtiger ist als Freundes-Feedback. Das stimmt nach wie vor — mit einer Einschränkung, die ich hier nachschieben will.
Nicht jedes gute Feature kommt aus einem Support-Ticket. Manchmal entstehen die wichtigsten Funktionen aus der eigenen täglichen Nutzung, ganz ohne dass irgendjemand explizit danach gefragt hätte. Bei uns war das bei einer bestimmten Funktion so: Kein Ticket, keine Feature-Anfrage, einfach die eigene Erfahrung, dass etwas im täglichen Ablauf fehlte.
Ich hab sie trotzdem gebaut — gegen die reine „baue nur, was Nutzer explizit fordern“-Logik. Das Feedback danach war interessant: ein Teil der Nutzer hat die Funktion kaum bemerkt, weil sie einfach im Hintergrund funktioniert. Ein anderer Teil schrieb uns aktiv, dass genau sowas gefehlt hatte — obwohl sie es vorher nie so formuliert hätten.
Das bringt mich zu einer Unterscheidung, die ich für wichtig halte: Support-Tickets sind fantastisch, um Kaputtes zu finden — siehe die Bugfix-Posts der letzten Wochen. Für „was fehlt eigentlich strukturell noch“ sind sie oft zu spät oder zu leise, weil Nutzer selten explizit nach etwas fragen, das sie noch nie kannten.
Eine Produkt-Roadmap nur aus Ticket-Häufigkeiten zu bauen ist bequem und datengetrieben — klingt gut, ist aber nicht automatisch richtig. Manchmal muss man als jemand, der das eigene Produkt jeden Tag benutzt, einfach selbst entscheiden, was fehlt, auch ohne zehn Tickets als Beleg.
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